Kommen wir nun zu etwas völlig anderem: Serienpiloten (20) – „Wolf Hall“

WolfHall

Man wird nicht müde daran zu erinnern, dass die BBC in regelmäßigen Abständen interessante Stoffe in Serien oder Miniserien packt. So auch heuer mit einer Romanadaption, die uns ins 16.Jahrhundert und auf die britische Insel führt. Der Roman „Wolf Hall“ behandelt zwei sehr wichtige Personen in der britischen Geschichte: König Henry VIII und Thomas Cromwell. Der Serienpilot der Miniserie fokussiert sich auf Thomas Cromwell, der stellvertretend für den Zuschauer durch die Gänge der Paläste und Parkanlagen läuft, die Augen und Ohren offen hält und sich entsprechend in Position bringt.

Man kann vermuten, dass dies auch stilgebend für die restlichen Folgen seien dürfte. Wir erleben die Serie aus der Sicht von Thomas Cromwell. Das passt aber sehr gut. Henry VIII, der mit den vielen Frauen ohne Kopf am Ende ihres Lebens kommt beispielsweise in der Pilotfolge nur in den letzten beiden Szenen vor. Thematisch ist Henry VIII ist aber durchgängig Gesprächsthema, wenn man so will.

Thomas Cromwell ist Berater des Kardinals Wosley, dem obersten Katholiken auf der Insel. Dieser erhält immer mal wieder Aufträge seitens des Königs, seine Ehen annullieren zu lassen, da ihm die Frauen keine Thronfolger gebären. In diesem aktuellen Fall scheinen dem Kardinal aber die Hände gebunden. Auch ein Besuch in Rom war wenig erhellend. Der Kardinal ist nicht bereit dem erneuten Wunsch des Königs nachzukommen. Das sich der Kardinal nun auf einem absteigenden Ast befindet, was die Gunst des Königs betrifft, ist augenscheinlich. Und es gibt mehrere Zeitgenossen die Cromwell raten, sich vom Kardinal loszusagen und sich neu zu positionieren. Allerdings widerspricht dies völlig einem Wesenszug Cromwells, Loyalität.

Die Erzählperspektive ist klar, wir folgen Thomas Cromwell Schritt auf Schritt. Wir verfolgen Dialoge mit Wosley, Monologe beim Gelage und sehen einen nachdenklichen Mann, in sich versunken, der mit hinterm Rücken verschränkten Händen seines Weges geht. Die Erzählgeschwindigkeit ist anders als heutzutage üblich wahnsinnig langsam. Gemächlich ist schon fast untertrieben. Aber es passt zum gesamten Setting der ersten Folge. Vor allem passt es ins Setting da die beteiligten Schauspieler solche Szenen tragen können, auch wenn augenscheinlich nicht viel passiert. Das trifft vor allem auf Mark Rylance zu. Aber auch Damian Lewis als König Henry kann in den wenigen Minuten überzeugen. Rein optisch kann man sich keinen passenderen König vorstellen. So hat man sich einen der bekanntesten Könige der Briten immer im Englischunterricht vorgestellt.

In einigen Szenen wird auch schon angedeutet, was das Leben mit Thomas Cromwell noch vorhaben wird. Geboren als Sohn eines Hufschmieds, mehr geschlagen als erduldet, die Juristerei einschlagend, Berater werdend, erst eines Kardinals dann eines Königs bis es ihn selbst in den Adelsrang katapultiert. Bis, ja bis zu seinem unrühmlichen Ende. Wer ein bisschen im Geschichtsunterricht aufgepasst hat, für den dürfte es keine Überraschung darstellen, wie dieser Sechsteiler unter Umständen enden wird. Der Tod wird auch schon in der ersten Folge ein Umstand im Leben vom Cromwell, seine Frau und seine Töchter sterben. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass es sich hier um keinen natürlichen Tod handeln könnte. Zumindest wird es nicht konkret aufgeklärt. Sofern sich die Produzenten am historischen Stoff orientieren ist dieser Gedankengang aber eine Sackgasse.

Die Pilotfolge deutet in vielen Fällen an, was man in den restlichen fünf Folgen erwarten darf. Tolle Monologe und Dialoge, überzeugende Charakterdarsteller und eine wunderbare Kamerarbeit. Inhaltlich gibt es kaum spannendere Stoffe aus der britischen Geschichte, von daher könnte sich hier eine Miniserie entwickeln, die seine Fans finden wird. Im deutschsprachigen Raum wird es sich wohl eher um Serienjunkies handeln oder große Fans der Insel.

Ich schaue auf alle Fälle weiter, da mir die Darsteller außerordentlich gut gefallen und ich die Sprache sehr mag, die die Protagonisten pflegen. Mal was anderes als das „dreckige“ Englisch a la „Peaky Blinders“.

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