Peaky Blinders – Staffelreview (Series 1)

Ich hätte eine einleitende Bitte. Steuern Sie doch bitte mal in einem weiteren Tab eine onlinefähige Abspielmöglichkeit Ihrer Wahl an. Dies wird nämlich das erste interaktive Review auf Serientagebuch.de. Wobei sich der interaktive Part darauf bezieht, dass wir etwas gemeinsames machen. Wenn auch zeitlich unabhängig voneinander. Ich beim Schreiben und sie beim Lesen. Dort wählen sie bitte folgendes Lied: „Red Right Hand“ von Nick Cave & The Bad Seed. Toll wie sie das machen. Ich spüre schon die Verbindung. Dann kann es ja losgehen. Musik an!

Peaky Blinders

(… Take a little walk to the edge of town …)

Mit den Klängen die sie gerade hören beginnt nämlich jede Folge der britischen Serie „Peaky Blinders“, ausgestrahlt auf BBC Two. Originär fand dieses Ereignis Ende 2013 auf der Insel statt, bei mir im Wohnzimmer aber erst vor einigen Wochen. Ich hatte mir aufgrund zahlreicher positiver Kritiken die DVD besorgt und war nach der letzten Einstellung, der letzten Szene (vor allem wegen der letzten Szene) und dem Abspann mehr als geflashed. Und bin es immer noch. Und Irritiert. Ich stelle mir bei derartig herausragenden Serienproduktionen nämlich immer vor, wie so etwas wohl aussehen würde, wenn dies eine deutsche TV Produktion gewesen wäre. Und das irritiert mich dann vollends, denn meine Vorstellungen sind immer sehr drastisch und im Ergebnis gruselig. Gottseidank wurde diese sehr interessante Geschichte, die die Serie erzählen will, auf der Insel produziert und von der BBC. Aber worum geht’s?

Im Mittelpunkt der Serie steht die Familie Shelby und ihr kriminelles Gewerbe: Pferdewetten. Wir befinden uns in den 1920er Jahren in Birmingham und die Shelbys haben eine gewisse Eigenart bezüglich ihrer Kopfbedeckungen: sie lassen sich Rasierklingen in die Schirme ihrer Mützen einnähen. Daher rührt auch ihr Bandenname wobei sie wahrscheinlich eher von „family“ sprechen würden: „Peaky Blinders“.

Peaky Blinders

(… Lagebesprechung in der Familie …)

Diese „Peaky Blinders“ gab es im Übrigen auch im echten Leben in den 1920er Jahren in Birmingham, die Geschichte, die wir erzählt bekommen ist aber rein fiktiv. So auch ihre Figuren.

Die „Peaky Blinders“ bestehen hauptsächlich aus der Familie Shelby, Brüder, Cousins und Neffen. Sie haben aber auch Mitglieder in ihren Reihen die keine familiäre Bindung zu den Shelbys haben. Dann besteht aber zumeist eine langjährige Freundschaft oder Kameradschaft aus dem 1.Weltkrieg, in denen die tonangebenden Brüder Tommy und Arthur (jr.) gedient haben. Wir haben hier also eine mehr als eingeschworene Gemeinschaft, in der jeder loyal zum Führungsanspruch der Shelbys steht. Auch die Anwohner des Stadtteils stehen hinter den Shelbys. Wie formulierte es der ehemalige Besitzer des örtlichen Pubs so schön: „Ihr seid zwar Kriminelle, aber ihr seid unsere Kriminelle“. Und dabei hat Tommy ihm den Laden einfach „abgenommen“ um seinem Bruder ein Geschenk zu machen, er war aber so nett, den ehemaligen Chef zumindest als Barkeeper anzustellen. Soziales Gewissen?

Daher ist es der hiesigen Polizei bisher auch nicht gelungen, das stadtbekannte Treiben der Shelbys in den Griff zu bekommen. Da sie selber an der ein oder anderen Wette verdienen, ist der innere Druck zur Lösung des Problems aber ehrlich gesagt auch nicht sonderlich groß. Bis zu einem bestimmten Ereignis.

Peaky Blinders

(… die wichtigste Frau im Geschäft: Tante Polly …)

Den Shelbys fällt nämlich durch Zufall eine Kiste mit Maschinengewehren der Royal Army in die Hände. Und an dieser Kiste sind nicht nur die Amtsträger interessiert, sondern auch die IRA. Und das könnte zu einem großen Problem werden. Da die Shelbys nicht mit der örtlichen Polizei kooperieren werden und wollen, entsendet Winston Churchill persönlich mit Chief Inspector Chester Campbell einen Sondergesandten nach Birmingham um in der Stadt aufzuräumen und vor allem um die Kiste wieder in Besitz zu nehmen. Campbell reist ein gewisser Ruf voraus, denn seine Arbeit in Belfast zur Niederschlagung der Bestrebungen der IRA war zwar erfolgreich aber blutig und am Rande der Legalität. Campbell reist allerdings nicht allein, neben einigen schlagkräftigen Polizisten hat er auch eine Undercoveragentin im Einsatz: Grace Burgess.

Grace wird als Bedienung im örtlichen Pub, dem Treffpunkt der Peaky Blinders, ein- und insbesondere auf Tommy Shelby angesetzt. Grace kommt aus Irland und ihre Eltern sind dem Terror der IRA zum Opfer gefallen. Daher ihr sehr persönliche Einsatz in der Sache. Man muss gar kein Geheimnis darum machen, natürlich schreiben die Drehbuchautoren die Geschichte so, dass Grace zum „love interest“ für Tommy Shelby wird. Zunächst war dies auch der Plan von Campbell. Am Ende wird natürlich mehr draus. Sehr zum Verdruss von Campbell der eigene Absichten verfolgt.

Peaky Blinders

(… ein nachdenklicher Campbell ist nichts was man sich wünschen sollte …)

Die Geschichten rund um die Maschinengewehre, die Familienangehörigen und geschäftlichen Angelegenheiten sowie die Strömungen der Zeit werden in der Hauptsache durch die Familienmitglieder der Shelbys verkörpert und aus deren Sicht erzählt. Außenstehende Personen mit „eigenen“ Handlungssträngen und Szenen haben wir dann eigentlich nur noch via Grace und Campbell.

Der tonangebende Leader der Familie ist Tommy Shelby, am Anfang noch eher verdeckt, da er nur der zweitälteste Sohn ist aber bereits ab der zweiten/dritten Folge auch offiziell und anerkannt durch Arthur Shelby. Die beiden Brüder unterscheiden sich vor allem durch das strategische Planen und Vorgehen Tommy Shelbys. Arthur ist eher der zu spontanen Wutausbrüchen und Überlegungen neigende Typ während Tommy immer schon drei, vier Schritte im Voraus denkt. Allerdings plagen ihn immer noch die Kriegserlebnisse, welches sich in kleineren Wahnvorstellungen und unruhigen Träumen äußert.

Eine der wichtigsten Figuren der Familie ist Tante Polly. Sie führte die Familie und die Geschäfte in der Abwesenheit der männlichen Shelbys zur Zeit des 1.Weltkrieges und ist immer noch eine sehr wichtige Person im Machtgefüge der „Peaky Blinders“.

Peaky Blinders

(… Tommy und Grace …)

Dann hätten wir noch Ada Shelby, die Schwester der Shelby Brüder und mit ihr verbandelt Freddie Thorne, ihr Verlobter. Freddie Thorne ist ein Gewerkschafter und Anhänger des Kommunismus. Also nichts, was zu jener Zeit gerne gesehen wird in den Augen der Obrigkeit. So ist Freddie auch immer wieder auf der Flucht. Zudem war er zusammen mit Tommy in derselben Einheit an der Front und scheinbar ist es zwischen beiden Männern während der Kämpfe und zurück in der Heimat zu einem Bruch gekommen. Zumindest herrschen hier klare Fronten so dass Ada und Freddie ihre Beziehung und Verlobung anfangs verheimlichen.

Neben der Geschichte rund um die Familie stehen die strategischen Planungen Tommy Shelbys im Mittelpunkt, aus den Kreis der illegalen Wettbüros auszubrechen um ein legales Wettgeschäft aufzubauen. Hier bandelt er mit der wahren Größe im Wettgeschäft an, Billy Kimber, der über derartige Lizenzen verfügt. Aber natürlich nebenbei auch auf der anderen Seite seine Geschäfte macht.

Peaky Blinders

(… welche Seite wählst du, Grace? …)

Das ganze schaukelt sich dann natürlich zum Ende der ersten Staffel auf und es kommt zu einem finalen Showdown auf den Straßen Birminghams. Denn die versteckten Absichten mit Billy Kimber, die Tommy im Hintergrund in seinem Sinne geflochten und vorbereitet hat, kommen ans Tageslicht und veranlassen die Kimbermänner den Shelbys einen Besuch abzustatten. Wobei die Shelbys nur in Familienstärke auftreten können, da ihre Männer alle bereits bei einem wichtigen Pferderennen sind, das sich Tommy ausgesucht hat um die wahren Absichten seiner Familie umzusetzen.

Einfache Geschichten, bildgewaltig umgesetzt. Man fühlt sich mehrmals als säße man im Kino und begutachte einen Kinoblockbuster. Bild, Kamera und Ausstattung der Serie ist phänomenal. Und als Tüpfelchen oben drauf kommen noch toll gecastete Schauspieler, die ihre Rollen von der ersten Minute an hervorragend spielen. Alle. Ob bekannt oder für deutsche Augen völlig unbekannt. Und auch das Drehbuch mit seinen Handlungen und Dialogen kann hierbei mithalten, denn das notwendige erfährt man oder kann es sich selbst zusammen reimen, an Stellen, wo man dies genau auch selber tun soll.

Peaky Blinders

(… der Showdown der ersten Staffel …)

Die einzige Schauspielerin, die mir sofort bekannt vor kam, war Helen McCrory. Wir kennen sie als Narcissa Malfoy aus den Harry Potter Filmen. Und natürlich Sam Neill (Jurassic Park, The Tudors) als Chief Inspector Chester Campbell. Einige andere der beteiligten Schauspieler waren mir auch bekannt, beispielsweise Charlie Creed-Miles als Billy Kimber kenne ich aus „Injustice“. Aber eher eben aus rein britischen Produktionen, die ich hier in Deutschland noch nie gesehen habe. Aber der Cast ist rundum perfekt gewählt. Dialoge harmonieren mit der Performance und die Haltung der Figuren zur Geschichte und ihrer Handlung.

Was anfangs vielleicht etwas schwierig ist oder war, ist der Akzent der Schauspieler bzw. den ihre Figuren sprechen. Was ein Genuschel und dreckiges Englisch. Aber ich mochte es sofort und nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran.

Peaky Blinders

(… Opfer auf beiden Seiten …)

Die Serie ist absolut empfehlenswert. Die Geschichten sind interessant und unterhaltsam erzählt und gespielt und der letztendliche Spannungsbogen ist mehr als gut umgesetzt. Dies ist eine Serie, die ich sofort wieder schauen könnte. Aber jetzt warte ich erst mal den Herbst dieses Jahres ab, denn dann sollte die zweite Staffel auf BBC Two ausgestrahlt werden. Und es wird mehr als spannend zu sehen sein, wie die letzte Szene der ersten Staffel endet.

Denn man sieht nur Campbell, Grace und eine Waffe in den Händen von Campbell. Dann hört man einen Schuss, die Eisenbahn übernimmt die Geräuschkulisse und der Abspann beginnt.

Peaky Blinders

(… die letzte Einstellung, dann ein Schuss! …)

Diese gemeinen Drehbuchautoren und ihre Ideen zum Cliffhanger zur zweiten Staffel. Böse Buben. Die!

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