Warum ich keine Fernsehserien mag! – Die Vorgabe.

keineSerienI

Vor einiger Zeit bin ich über ein Video auf den youtube Channel von Wolfgang M. Schmitt jun. gestossen, der Filmanalyse. Er beleuchtet in seinen Videos aktuelle Filme und Kinohits, zerstückelt sie feinsäuberlich wie Hannibal Lecter sein Abendbrot in seine einzelnen Bestandteile und lässt oft nichts übrig – bis auf die Knochen. Und das sieht dann mehr als einmal recht mager aus. Ich mag seine Sprache und sein bestimmt nicht gespieltes Gehabe, welches mich mehr als irritiert und hier und da sogar persönlich angriffslustig macht, einfach, weil es so ist. Aber er hat oft recht mit seinen Analysen auch wenn es in den meisten Fällen sehr oberlehrerhaft und zu distinguiert herüber kommt. Ich denke aber, das ist gewollt. Außerdem macht es einen großen Spaß. Dennoch.

Das Video, von dem ich eingangs sprach, ist auch der Grund für diesen zweiteiligen Blogeintrag. Denn Wolfgang M. Schmitt jun. hat ein Video online gestellt, welches mich persönlich anspricht: „Warum ich keine Fernsehserien mag!“. Kann man mal so stehen lassen.

Er fasst sein Meinung über Fernsehserien in seinem Vorwort wie folgt zusammen:

Ich lehne Fernsehserien ab. Ich habe mich etlichen Serien ausgesetzt. Serien, von denen zu lesen und zu hören war, sie seien genial, große Kunst, narrative Revolutionen, hochspannend, von gesellschaftspolitischer Brisanz usf. Zugegeben: Es gab bisweilen ansprechende Szenen, witzige Dialoge, originelle Figuren, kluge Blickrichtungen. Aber all das rechtfertigt meines Erachtens den hohen Zeitaufwand, will man sämtliche Staffeln einer Serien sehen, leider überhaupt nicht. Immer war ich enttäuscht und verlor nach zwei bis drei Stunden die Lust: Warum sollte ich mir von z.B. „Mad Men“, „Breaking Bad“, „True Blood“, „House of Cards“ mehr als drei vier Folgen ansehen? Das Konzept ist durchschaut, die Ästhetik erkannt. Nur um jetzt eine natürlich völlig überraschende Wendung im Plot oder eine noch viel überraschendere Charakterveränderung der Hauptfigur vorgeführt zu bekommen? Alle Serien bedienen mehr oder weniger ein naives Rezeptionsmuster, das für Trivialkultur so typisch ist: Was geschieht als nächstes, who dunnit? Große Filme zeichnet gerade aus, daß diese Frage eigentlich keine Rolle spielt. Im Gegenteil: Kennt man erst einmal den Plot eines großen Films, sagen wir aus Hitchcocks „Psycho“, muß man sich nicht mehr länger auf das „WAS geschieht?“ konzentrieren, sondern kann auf das „WIE geschieht es?“ seinen Fokus richten. Eine ästhetische Erfahrung ist an das Wie geknüpft, das Was ist nebensächlich. Das Wie aber ist bei einer Fernsehserie nicht über zwanzig Stunden interessant. Serien sind gutes Kunstgewerbe, mehr nicht. Wenn der Film ein konzentrierter Brühwürfel ist, dann ist die Serie die gestreckte, verwässerte Suppe. Sicherlich hat sich die Qualität der amerikanischen Fernsehserien deutlich verbessert und so entstehen gepflegte Unterhaltungsprodukte, die zu berechtigter Zerstreuung einladen — mit Kunst jedoch hat das wenig zu tun. Nur weil etwas lange dauert, muß es noch lange nicht von ästhetischer Größe sein. Viele Kritiker, Zuschauer und Analytiker wollen jedoch die Serie zur hohen Kunst erheben, vermutlich ist dies als ein Ausdruck schlechten Gewissens zu verstehen — Wochen und Monate mit Seriengucken zugebracht zu haben, das muß man irgendwie rechtfertigen. Doch warum der Aufwand? Laßt uns wieder ins Kino gehen!

Ich würde aber dennoch das gesamte Video empfehlen, in einigen Fällen hat Wolfgang M. Schmitt jun. bestimmt recht, in anderen Fällen kann man aber berechtigterweise eine andere Meinung haben.

Und die habe ich und werde sie in einem zweiten Teil näher erläutern. Denn ich mag Fernsehserien. Immer noch.

Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someone